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pünktlich zum meteorologischen Frühlingsanfang an diesem Wochenende ist es sonnig und wärmer geworden. Endlich! Und damit eure Laune (hoffentlich) noch besser wird, geht es bei uns diesmal um ein faszinierendes Nagetier: den Biber. Über ihn sprechen wir mit Nidal Saghir, einem der Biberberater der Stadt Heidelberg. Biberberater? Das mag gerade für die Städter*innen unter uns ein bisschen absurd klingen. Aber mit der Rückkehr der streng geschützten Art gibt es eben auch Probleme – es wird durchaus politisch im Interview, einmal fällt sogar das Wort “Enteignung”.
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Wir schauen außerdem auf die Schulden der Stadt Ludwigshafen – und passend dazu auf die Frage, wie sich Einsparungen in Kommunen vermeiden lassen könnten – wenn es nur gewollt wäre.
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Und wenn ihr uns nicht nur lesen, sondern auch hören wollt, dann habt ihr am Samstag, 7. März, die Gelegenheit dazu, wenn ihr um 22 Uhr den bermuda.funk (MA: 89,6 MHz/ HD: 105,4 MHz) einschaltet. An diesem Tag startet Radio bloq. Zum Auftakt mit einem Gespräch mit Daniel und Sarah aus der bloq-Redaktion, moderiert von Eva Mayer und Helena Kotarlic. Wir reden über bloq, die aktuelle Situation des gemeinnützigen Journalismus und unsere Pläne für dieses Jahr. Radio bloq gibt es dann fortan immer zweiten Samstag im Monat von 22 bis 24 Uhr im bermuda.funk. Zwei Stunden, in denen wir mit Menschen aus der Region über ihre Herzensthemen sprechen. Schaltet rein!
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Nidal Saghir zeigt am Wieblinger Altneckar eines der zahlreichen Biberreviere. Foto: Stadt Heidelberg
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„Tiere wie der Biber haben eine große Lobby“
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Ob Wolf, Waschbär oder Biber: Wir finden wilde Tiere toll, aber akzeptieren wir auch die Schäden, die sie verursachen? Max Münster hat mit Heidelbergs Biberberater Nidal Saghir über absurde Nage-Leistungen gesprochen. Und darüber, wer eigentlich das Problem ist: Mensch oder Tier?
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Herr Saghir, als Dossenheimer und Heidelberger Biberberater stehen Sie Bürger*innen und Bibern zur Seite, so steht es in der Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Wo müssen Sie gerade vermitteln?
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Zum Beispiel in Dossenheim. Da gibt es einen kleinen Bach, den Humpelsgraben, in dem der Biber einen Damm gebaut hat. Wenn er den weiter erhöht, könnten die angrenzenden Ackerflächen überschwemmt werden. Dann kann der Landwirt da nichts mehr ernten und nichts mehr einsäen. Er wird quasi enteignet.
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Haben Sie den Landwirt beruhigen können?
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Ich habe ihm gesagt, dass wir eine Drainage anlegen, bevor sein Acker überschwemmt wird. Über die reguliert sich der Wasserpegel. Das hat ihn beruhigt. Wobei er es am liebsten hätte, dass wir den Damm einreißen. Der ist aber streng geschützt, wie der Biber selbst. Es würde auch nichts bringen, denn der Biber würde ihn einfach wieder aufbauen. Oft nagen Biber außerdem Bäume auf Streuobstwiesen in Ufernähe an. Baumrinde ist eine wichtige Winternahrung. In solchen Fällen stellen wir Material zur Verfügung, um die Bäume einzuzäunen, damit der Biber nicht mehr rankommt.
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Das ist Ihre Aufgabe als Biberberater?
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Ja. Das ist ein Ehrenamt, das es in jeder Stadt und in jedem Kreis in Baden-Württemberg gibt. In Heidelberg sind wir zu zweit. Wir lösen Probleme im Sinne des Menschen und im Sinne des Bibers.
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Wie stehen Sie dem Biber zur Seite?
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Indem wir den Menschen darüber aufklären, warum es gut ist, dass der Biber wieder da ist, nachdem er vor 170 Jahren ausgerottet wurde. Er schafft Biodiversität. Ein Beispiel: Der Biber legt einen Baum um, der Stamm fällt ins Wasser. Dann entsteht ein Unterstand für Fische und Krebse. Im Totholz leben Käferlarven und somit eine Nahrungsquelle für Spechte. Gerade hier am Neckar begrüße ich das sehr. Hier stehen große Altbestände von Weiden, wenn der Biber die umlegt, kann sich die Natur verjüngen. Dann gibt es Platz für neue Pflanzen und Bäume.
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Einem Grundstücksbesitzer, dessen Feld überschwemmt ist, brauchen Sie mit neuen Lebensräumen für Krebse nicht kommen.
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Stimmt. Ich verstehe alle Landwirte, die verärgert sind. Ich halte das Bibermanagement auch für ausbaufähig. Denkbar wäre, dass Landwirte Ausgleichsflächen bekommen, wenn ein Biber einen Acker überschwemmt. Entsprechende Schadenersatzzahlungen sollte es auch geben.
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Seit kurzem gilt eine neue Biberverordnung in Baden-Württemberg, nach der die Tiere in letzter Konsequenz getötet werden dürfen. Was halten Sie davon?
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Das ging vorher auch schon, allerdings nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn wir mit normalen Maßnahmen nicht mehr weitergekommen sind. Zum Beispiel, wenn sich der Biber in der Nähe eines Grundwasserbrunnens niedergelassen hat und das Trinkwasser gefährdete. Wir hatten auch schon Biber in Kläranlagen. In solchen seltenen Fällen konnte das Regierungspräsidium eine Ausnahmegenehmigung erteilen.
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Jetzt sind die Unteren Naturschutzbehörden der Städte und Kreise zuständig. Die Verordnung setzt die Schwelle deutlich herunter und ist total schwammig. Sinngemäß steht zum Beispiel drin: Wenn ein schwerer wirtschaftlicher Schaden entsteht und innerhalb von vier Wochen keine zumutbaren Maßnahmen ergriffen werden können, darf man das Tier töten. Was ist ein schwerer wirtschaftlicher Schaden? Was sind zumutbare Maßnahmen? Da wird jeder Landkreis anders entscheiden. Die Verordnung bleibt viel zu unkonkret, es gibt schon eine Petition gegen sie. Und ich glaube, sobald Biber wirklich getötet werden, gibt es Proteste. Tiere wie der Biber haben eine große Lobby.
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Ist das so? Der Mensch ärgert sich auch über den Waschbär. Und kürzlich gab es eine Entscheidung vom Verwaltungsgerichtshof in Mannheim, dass der Wolf im Schwarzwald geschossen werden darf. Es sieht eher so aus, als habe der Mensch für den Naturschutz nicht mehr viel übrig.
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Es gibt einen Unterschied zwischen Stadt und Land. Auf dem Land, wo Biber Schäden anrichten und Schäfer den Wolf fürchten, werden die Tiere sehr negativ gesehen. In Heidelberg blicken die Menschen nahezu durchweg positiv auf Wolf und Biber.
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Wie viele der Tiere gibt es in der Region?
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Wir haben acht bis zehn Reviere auf dem Neckar von Neckargemünd runter nach Mannheim, sechs Biber pro Revier. In ganz Baden-Württemberg sind es geschätzt 12.000. Die Besonderheit in Baden-Württemberg: Der Biber ist von allein wiedergekommen. Von der einen Seite von Franken in den Neckar. Von der anderen Seite aus der Schweiz und aus dem Elsass in den Rhein.
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Was fasziniert Sie an Bibern?
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Dass Sie es geschafft haben, Ihren Lebensraum wieder zu erobern. Und welche Nageleistung sie vollbringen. Einen kräftigen Baum haben die Biber in einer Woche gefällt. Sie putzen sich gerne und haben auch ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Mit ihrem Partner leben sie möglichst das Leben lang zusammen. Man sieht sie sogar miteinander schmusen im Wasser.
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Damit sind Sie dem Menschen gar nicht so unähnlich.
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Genau. Der Mensch gestaltet seinen Lebensraum ja auch so, wie er es haben will. Der Unterschied ist: Der Mensch übertreibt es.
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Wer sich für Biber interessiert (egal ob groß oder klein), kann mit Nidal Saghir am Sonntag, 19. April, um 10 Uhr auch auf Exkursion am Neckar gehen. Mehr Informationen gibt es hier: Biberexkursion in Wieblingen
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… Millionen Euro fehlen der Stadt Ludwigshafen für dieses Jahr im Haushalt. Ende 2026 dürfte die Stadt mit rund 1,4 Milliarden Euro (!) verschuldet sein. Schuld ist aus Sicht der Verantwortlichen um Kämmerer Andreas Schwarz vor allem der Bund: Er übertrage den Kommunen Aufgaben, ohne dafür ausreichend Geld bereitzustellen. Sie berufen sich dabei auf das Konnexitätsprinzip, nach dem wer bestellt, auch bezahlt. (Damit haben wir uns auch in der 4. Ausgabe unseres Magazins beschäftigt.)
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Ludwigshafen ist Mitglied des Bündnisses "Für die Würde unserer Städte". Darin haben sich mehr als 70 Kommunen in prekärer finanzieller Lage zusammengeschlossen. Sie fordern, dass sich der Bund stärker an ihren Sozialausgaben beteiligt. Denn steigende Kosten für beispielsweise Grundsicherung, Kinderbetreuung oder Asylsuchende trafen die Kommunen zuletzt am meisten. Ludwigshafen braucht gerade allerdings auch sehr viel Geld für die Sanierung der Hochstraßen.
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Vor dem Reichstag machte das Aktionsbündnis "Für die Würde unserer Städte" auf die großen Lasten der Kommunen aufmerksam. Foto: Andreas Endermann
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Mehr arbeiten bei höheren Kita-Kosten?
Eltern in Mannheim müssen mehr für die Kinderbetreuung zahlen. Gleichzeitig sollen alle mehr arbeiten? Daniel Grieshaber findet, dass das Problem nicht im Lokalen liegt, sondern in Berlin.
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Da kommt was auf Mannheimer Familien zu: Bis 2027 fährt die Stadt schrittweise ihren Zuschuss zu den Kita-Gebühren, der aktuell 109 Euro pro Monat beträgt, auf Null zurück. Dazu streicht sie die kostenlose städtische Frühbetreuung in Halbtagsschulen. Wer die braucht, kann sie künftig bei freien Trägern dazu buchen, kostenpflichtig natürlich. Für eine Familie mit zwei kleinen Kindern kommen da schnell mehr als 2.000 Euro an Mehrkosten im Jahr zusammen. Und da sind noch nicht einmal die in happige Höhen gestiegenen Eintritte in Schwimmbäder und Parks eingerechnet.
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Die Stadt muss sparen, das ist klar. Und Mannheim ist damit auch nicht alleine. Ludwigshafen und Heidelberg sowie mittlere und kleine Kommunen streichen und erhöhen ebenfalls, was das Zeug hält.
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Bei Einsparungen in der Kinderbetreuung stellt sich zum einen die Frage, wie sich das mit der Attacke auf die „Lifestyle-Teilzeit“ in Einklang bringen soll, zu der die Mittelstands- und Wirtschaftsunion zwischenzeitlich aufgerufen hatte. Und der Kanzler im fernen Berlin wird nicht müde zu betonen, dass die Menschen mehr arbeiten müssen.
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Zum anderen stehen diese Einsparungen beispielhaft für ein größeres Problem: Der Bund lässt die Kommunen, die unter anderem wegen der wirtschaftlichen Flaute unter enormen Steuereinbrüchen leiden, weitgehend im Regen stehen. Und die Kommunen reichen diese Nöte in Form von weniger Leistungen sowie höheren Abgaben und Gebühren an ihre Bewohner*innen durch.
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Das wäre besser zu ertragen, wenn der Bund nicht vorsätzlich auf Einnahmequellen verzichten würde: Eine Vermögensteuer, durch die Reiche und Superreiche an den Folgen der wirtschaftlichen Flaute beteiligt würden, ist in der Regierung Friedrich Merz weiterhin ein absolutes Tabuthema.
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DE21 4306 0967 1043 2755 01
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