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am kommenden Samstag, 2. Mai, startet Radio bloq mit den ersten Gästen. Nachdem wir in der Auftaktsendung im bermudafunk vor allem über uns geredet haben, reden wir nun mit Marvin Kuhn, Thomas Barnwell und Larry Scavone über das amerikanische Erbe in Mannheim, das Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikaner*innen und das neue Museum des Vereins "Germericans" auf Franklin. Einen kleinen Einblick in das Gespräch bekommt ihr in diesem Newsletter, in der Sendung nehmen wir uns dann zwei Stunden Zeit für die Themen und dazwischen bekommt ihr Musik serviert, die unsere Gäste mitgebracht haben. Schaltet rein!
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In diesem Newsletter geht es zudem um die Frage, wie viel Fläche die Stadtverwaltung in Ludwigshafen noch versiegeln will, und wie in Buchen im Odenwald gerade die Brandmauer durchlöchert wird.
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Marvin Kuhn, Thomas Barnwell und Larry Scavone zu Gast bei Radio bloq im Studio des bermudafunk. Foto: Daniel Grieshaber
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„Da kriegen die meisten schon Tränen in die Augen“
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Marvin Kuhn und Thomas Barnwell sind Aktivisten des Vereins „Germericans“, der von Kuhn und seiner Frau Sabrina gegründet wurde. Ein Gespräch über das Vereinsmuseum, das amerikanische Erbe in Mannheim und Bauschutt in Gefrierbeuteln.
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Euer Verein heißt Germericans. Was steckt hinter dem Namen und warum habt ihr diesen Verein gegründet?
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Thomas: Germericans ist eine Kombination aus „Germans“ und „Americans“ und genau darum geht es uns: Wir wollen die Erinnerungen an die Zeit, als die US-Armee hier in Mannheim präsent war, lebendig halten, und auch die deutsch-amerikanische Freundschaft, die hier in Mannheim so vielfältig gelebt wurde, weiter pflegen. Und ganz nebenbei sind wir beide auch Germericans: Unsere Väter waren beide US-Soldaten und unsere Mütter Deutsche. Wir haben das Leben zwischen den beiden Welten also hautnah miterlebt.
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Ihr habt im Keller von barac, dem Hausprojekt der Künstler*innen Philipp Morlock und Myriam Holme, auf FRANKLIN ein Museum. Was hat es damit auf sich?
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Marvin: Wir wollen als Germericans auch ganz konkret das physische Erbe des US-Standorts bewahren. Als die Amis hier abgezogen sind, bekam ich von der MWSP den Auftrag, historisch wertvolles Material zu sichern, damit es später in einem Museum ausgestellt werden kann. Die MWSP, bei der ich Mitarbeiter bin, ist die städtische Gesellschaft, die die Konversionsflächen entwickelt. Wir haben also Schilder, Schautafeln, Spinde, aber auch alltägliche Dinge wie Geschirr, Haushaltsgegenstände gesammelt. Meine Frau kam dann auf die Idee, daraus selbst ein Museum zu machen. Unser Fundus setzt sich aus den Gegenständen zusammen, die nicht im House of Maemories, dem Museum der MWSP und des MARCHIVUMS, untergekommen sind. Hinzu kamen noch private Spenden von Ex-Soldaten und Zivilangestellten. Mit barac, einem ehemaligen Kasernengebäude, haben wir dann auch die ideale Location gefunden.
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Euer Museum ist also eine Art Archiv?
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Marvin: Ja, tatsächlich. Wir haben zum Beispiel von jedem Gebäude, das abgerissen wurde, einen Gefrierbeutel voll Schutt eingesammelt, mit der Gebäudenummer versehen und bei uns im Museum eingelagert. Wenn manchmal Ex-Soldaten zu uns kommen und sagen, dass sie während ihrer Zeit in Mannheim in dem Gebäude XY gewohnt haben, zeigen wir ihnen den entsprechenden Beutel und sagen „Siehst du, das sind die Reste vom Gebäude XY“. Da kriegen die meisten schon Tränen in die Augen und freuen sich gleichzeitig, dass jemand das aufgehoben hat.
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Das heißt, wenn ein Abriss anstand, seid ihr mit einem Gefrierbeutel losgezogen?
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Marvin: Ja, auf jeden Fall. Und auch heute noch, wenn bei Bauarbeiten irgendetwas gefunden wird, bekomme ich einen Anruf. Ich bin ja im Infrastrukturteam bei der MWSP. Die Baufirmen kennen mich alle und wissen, dass sie mich anrufen können, wenn sie etwas finden. Letzte Woche zum Beispiel haben sie ein Teil einer Panzerkette gefunden, das wir auch in unser Museum aufnehmen werden.
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Thomas Barnwell und Marvin Kuhn sind gemeinsam mit Larry Scavone, dem langjährigen Director of Public Works (entspricht einem Baudezernenten) der US-Garnison, zu Gast bei Radio bloq und sprechen mit uns über das Benjamin Franklin Village als Stadt in der Stadt, das Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikaner*innen und darüber, wie 9/11 alles verändert hat.
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Radio bloq, bermudafunk, Erstausstrahlung: Samstag, 02. Mai, 20–22 Uhr, Mannheim: 89,6 MHz, Heidelberg 105,4 MHz oder im Netz live streamen unter bermudafunk.org. Auf der Webseite sind auch weitere Sendetermine, zudem ist die Sendung zwei Wochen lang nach Erstausstrahlung in der Mediathek zu finden.
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2.200
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...Quadratmeter Grünfläche könnten in Ludwigshafen für die Öffentlichkeit verschwinden, wenn es nach dem Willen von Politiker*innen geht. Die Verwaltung will eine Kita in den Alwin-Mittasch-Park bauen – gegen den Willen von 2390 Bürgern, die sich in einer Petition dagegen ausgesprochen haben. Um ein Zeichen des Unmuts zu zeigen, haben rund 300 Menschen das Wort "Nein" nun als Menschenkette in den Park geschrieben. Ein Nein zu Kitas bedeutet es nach Angaben der Bürgerinitiative ausdrücklich nicht: Sie fordert nur einen anderen Standort, bei dem weniger Fläche versiegelt werden muss. Und dass die Stadt zunächst den Fachkräftemangel in den Ludwigshafener Kitas löst. Wegen diesem können bestehende Einrichtungen ihre Kapazitäten teilweise gar nicht ausschöpfen. Das habe Priorität, finden die Kritiker*innen, ehe 100 Jahre alte Bäume gefällt werden - in einer der heißesten und am meisten versiegelten Städte Deutschlands.
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Die Brandmauer bröckelt
In Buchen plädiert der Bürgermeister Roland Burger dafür, “in Normalität” mit der AfD umzugehen. Maximilian Münster hält das für brandgefährlich.
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Die Brandmauer muss nicht mit lautem Getöse einstürzen, sie fällt vielleicht nicht in Brüssel, Berlin oder Stuttgart in sich zusammen. Sie fängt vielleicht ganz leise an zu bröckeln, irgendwo in der Provinz – wie in Buchen im Odenwald?
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Dort erklärte Bürgermeister Roland Burger (CDU) das starke Abschneiden der AfD in der Landtagswahl damit, dass man die Partei zu lange ausgegrenzt habe. Er hält das „langfristig für falsch und so nicht ewig durchhaltbar“, sagte er der Rhein-Neckar-Zeitung in einer Wahlnachlese. Er spricht noch über Bürokratie oder Einwanderung als Gründe. Alles Themen für die Landes- oder Bundespolitik, die erstmal nicht erklären, warum gerade der Neckar-Odenwald-Kreis, zu dem Buchen gehört, blau ist (25 Prozent) und manche Buchener Stadtteile sogar tiefblau (mehr als 34 Prozent in Bödigheim). Die Erklärung blieb Burger der Rhein-Neckar-Zeitung schuldig.
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An der Kommunalpolitik kann es für ihn jedenfalls nicht gelegen haben, denn so wie es klingt, läuft da vieles eher in seinem Sinne als in Stuttgart oder Berlin. Im Buchener Gemeinderat sorge die AfD natürlich für Kontroversen, "aber wir arbeiten immer sachorientiert, und wenn es gilt, ziehen wir an einem Strang. Andere Optionen sehe ich nicht", sagte er in der RNZ. Phrasen ohne Substanz dürfe man aber nicht tolerieren und müsse das auch klar ansprechen, ergänzte er noch. Doch all das klingt nach einem zu sanften Umgang mit Vertretern einer Partei, in der sich bundesweit Rechtsextreme sammeln. Bloq hätte gern mit ihm darüber gesprochen, aber ein Interview lehnte er ab.
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Der Bürgermeister durchlöchert also die Brandmauer, er plädiert für eine Zusammenarbeit in Bund und Land. In Buchen hat er offensichtlich auch nichts dagegen. Wobei dazu – zumindest bisher – kaum Notwendigkeit bestehen dürfte. Derzeit sitzen drei Vertreter der AfD im Gemeinderat von Buchen, Mehrheiten kommen im besten Fall ohne sie zustande. Und das muss auch so bleiben. In der Kommune, im Land und im Bund.
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Denn werden AfD-Leute in Entscheidungen einbezogen, wird das die Demokratie nach und nach abschaffen. Sie wird sich nicht entzaubern, sobald sie in Verantwortung kommt, wie eine verbreitete Hoffnung und ein Argument gegen die Brandmauer lautet. Man gibt einer Partei voller Rechtsextremen ein Stück Macht in der Hoffnung, dass sie an Macht verliert? Das ist absurd. Denn sie wird ihre Macht nutzen, um demokratische Mechanismen auszuhebeln. Man muss nur ins Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt gucken, um solche Pläne nachzulesen. Sie wollen Landeskirchen und dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk die Existenzgrundlage entziehen und den Rechtsstaat aushöhlen. Einmal an der Macht, fehlen dann die Instrumente, um der Partei diese Macht wieder zu entziehen.
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Der Boden für diese Mechanismen wird in der Kommunalpolitik bereitet, wo es selten um Grundsatzdebatten geht. Es geht um neue Zebrastreifen oder Sporthallen, nicht um sicherere Außengrenzen oder Kulturkämpfe. Die AfD mag hier harmloser erscheinen, mal laut, mal leise sein, mal geräuschlos mitarbeiten und so an der Basis von extremen Tendenzen ablenken. Wer wie Burger der Partei eine sachorientierte Zusammenarbeit bescheinigt und versichert, wenn es gilt, an einem Strang zu ziehen, der normalisiert eine rechte Partei und stärkt sie gleichzeitig.
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Ein Stadtoberhaupt muss eine deutlichere Grenze ziehen, wenn es um Vertreter rechter Parteien geht. Stattdessen legte Burger in einem weiteren Statement nach, mit dem er auf Kritik eines ehemaligen Stadtrats aus dem linken Spektrum reagierte. Er fühle sich in die Nähe der rechten Schmuddelecke gerückt. Dass er sich zu den Rechten gesellt, kann man ihm wirklich nicht vorwerfen, aber eine gewisse Nachlässigkeit im Umgang mit ihnen eben schon. Burger warnte davor, AfD-Stadträte pauschal als Nazis zu stigmatisieren, womit er recht haben mag. Nicht alle AfD-Vertreter sind Extremisten. Und doch haben sie sich für eine Partei entschieden, in der sich Rechtsextreme nachweislich sammeln. Sie stützen diese Geisteshaltung und sind damit nicht geeignet, politische Verantwortung zu tragen. Weder in Brüssel noch in Berlin noch in Buchen.
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